Sport
“Die Wellen – eine nach der anderen treffen sie ein, das weiße Bataillon der unerschöpflichen Armee des Meeres. Und man sitzt, lauscht dem fortwährenden Brausen, schaut auf die nicht enden wollende Prozession und fühlt sich klein und zerbrechlich angesichts dieser gewaltigen Kraft, deren Ausdruck Wildheit, Gischt und Getöse sind. Man fühlt sich mikroskopisch klein, und die Vorstellung, sich mit diesem Meer messen zu wollen, löst unwillkürlich einen Schauder der Beklommenheit, fast der Angst aus. Diese breitmäuligen Monster wiegen tausend Tonnen und stürmen schneller ans Ufer als ein Mensch rennen kann. Welche Chance? Überhaupt keine Chance, so das Verdikt des schrumpfenden Egos; und man sitzt und schaut und hört zu und denkt sich, dass es sich im Gras und im Schatten sehr gut bleiben lässt. Und dennoch gehen die Gedanken weiter… geh hinaus mit einem flachen Brett und leicht oval in seiner Form…” – Zitat Jack London
Wellenreiten
Was ist Surfen und wo kommt es her?
Dies ist keine einfach zu beantwortende Frage, da wir es hier mit einem recht facettenreichen Etwas zu tun haben. Eine erste Annäherung aus verschiedener Richtung mögen die folgenden 10 Aspekte liefern. Im Weiteren geht es dann etwas historischer zu…
1. Die Mutter des Windsurfen, Snowboarden, Skateboarden und co. Und zwar eine sehr alte Mutter, weil die Ursprünge des Wellenreitens einige Jahrtausende zurück liegen.
2. Eine komplexe Ganzkörperbewegung in einer variablen und ziemlich dynamischen Umwelt.
3. Eine riesen Gaudi, die jeder halbwegs sportliche Mensch erlernen kann.
4. Unser Lebenselexier – zuweilen die schönste und zuweilen die schlimmste Sache der Welt.
5. Eine athletische Meisterleistung, in welcher der Sportler, falls bzw. nachdem es ihm gelungen ist durch die zerstörerischen Wellen aufs Meer hinaus zu paddeln, alle Anstrengung in Paddelarbeit umwandeln muss, um genau dorthin zu gelangen wo die Energieentladung einer Welle stattfindet. Kurz vor der zuweilen brutalen Brechung der Welle, muss er leichtfüßig auf sein Brett hüpfen und dies aus der Gefahrenzone, in die er sich gerade so hineinmanövrieren konnte, schleunigst wegsteuern.
6. Ein spirituelles Erlebnis, bei dem die Begegnung mit der Natur tieferes Verständnis vom Leben bewirken kann.
7. Manchmal die schwierigste Sportart der Welt und die einfachste Möglichkeit im Moment zu leben.
8. Eine Aufwand-Ertragsrechnung zum tot lachen, wenn man betrachtet, was man alles auf sich nimmt, um ein paar Sekunden auf dem Brett zu stehen.
9. Besser als Sex.
10. Sonne, Strand, Freunde und Meer
Die Geschichte des Wellenreitens…
…ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Verschiedene Entwicklungen und Jahresdaten sollten nicht darüber hinweg täuschen, was Surfen tatsächlich ist. Es ist eine ungeheure Ansammlung von Abenteuern. Von naturverbundenen Menschen, die alles dafür getan haben, ihr Surfen einen Schritt voran zu treiben. Dabei wurden auf oft beschwerliche und abenteuerliche Art und Weise nicht nur neue Wellen, sondern auch neue Orte und Kulturen entdeckt. Surfer waren und sind Pioniere und Abenteurer, die alles hinter sich lassen und neue Wege beschreiten. Und das ist es, worum es beim Surfen häufig geht. Schlussendlich ist und bleibt für uns der Weg das Ziel.
Anfänge des Surfens
Aber wer hat damit angefangen? Nun, verschiedene Nationen beanspruchen den Ursprung der heute weltweit verbreiteten Sportart. In Zentralafrika wurden Wellen verehrende Höhlenmalereien als Indiz für ein sehr frühes Surfen gedeutet. In Peru nutzten nachgewiesener Weise Fischer die Brandungswellen bereits etwa 2.300 vor Christus, um auf den Knien mit ihren Fischerbooten zurück zum Strand zu gleiten. Dennoch vermuten große Teile der heutigen Surfwelt den Ursprung im paradiesischen Polynesien (in der Südsee). Im Rahmen früher Völkerwanderungen – der Legende nach folgten die Polynesier dem großen weißen Hai – wurden irgendwann zwischen dem 2 und 12. Jahrhundert nach Christus die Inseln von Hawaii besiedelt. Durch gesicherte Überlieferungen ist bekannt, dass das Surfen bereits zu dieser Zeit einen wichtigen Bestandteil der Kultur Hawaiis darstellte. Vielfach als Sport der Könige bezeichnet, war es den Königen vorbehalten, die besten Bretter an den schönsten Stränden zu surfen. Auf einen DropIn („in die Quere kommen“) stand die Todesstrafe. Traumhafte Umstände also, wenn man denn der König ist.
Surfen ist Kultur und Religion
Eingebettet in Kultur und spirituelles Leben wurden die Bretter in zeremoniellen Zusammenkünften aus Bäumen geschnitzt und zu Wasser gelassen. Kühl betrachtet, handelt es sich, um große wie massive Holzbalken, die nur von den größten und stärksten Menschen getragen und somit gesurft werden konnten. Das Reiten der Wellen beschränkte sich wohl auf die Gerade-Aus-Fahrt einer bereits gebrochenen, nicht all zu großen Welle. So wurde das Wellenreiten über Jahrhunderte geliebt und, wann immer die Wellen ansehnlich waren, alles und besonders die Arbeit stehen und liegen gelassen, um im Wasser sein Seelenheil zu suchen.
Surfen und die Missionare
Den vielleicht traurigsten Eckpunkt der Geschichte stellt dann das Jahr 1778 dar, in dem Captain Cook die Hawaii-Inseln entdeckte und somit einen ersten Berührungspunkt mit der westlichen Zivilisation herstellt. Dies brachte Hawaii neben Krankheit, Waffen und unmenschlicher Ausbeutung besonders die Missionare ein, welche das Surfen als Sinnbild von nackter Lebensfreude kurzerhand verboten. Nur Dank ein paar wenigen, unverbesserlichen Surfern, die nicht bereit schienen, ihre Leidenschaft aufzugeben, konnte das Surfen im Untergrund überleben.
Surfer als Lifeguards und Touristenattraktion
Diese Situation änderte sich erst Ende des 19ten Jahrhunderts maßgeblich, da Hawaii mehr und mehr zum paradiesischen Ziel von Urlaubern und letztendlich von den USA annektiert wurde. Vermehrt schienen Menschen an Strand und Meer interessiert, sodass Leute notwendig waren, die Erfahrung mit dem Meer hatten und auf die Touristen aufpassen konnten. In den Folgejahren erlebt das Surfen auf Hawaii eine Wiedergeburt, die sehr eng verbunden mit dem Surf-Life-Saving zu verstehen ist. Das Surfbrett wurde Rettungsmittel und die attraktiven Surfer mit ihren artistischen Fähigkeiten zur Touristenattraktion.
Duke Kahanamoku
Ein besonders charismatischer Junke sticht aus der Gruppe der Beachboys heraus. Er heißt Duke Kahanamoku und ist nicht nur ein beeindruckender und gut aussehender Surfer, sondern auch ein begnadeter Schwimmer, der einen Weltrekord aufstellen konnte. Aufgrund seiner Schwimmfähigkeiten tourte der Duke zu Wettkämpfen durch die ganze Welt. Immer im Gepäck: sein Surfbrett. Auf diese Weise machte das Surfen ausgehend von den Hawaii Inseln seinen Schritt in die weite Welt. Wo immer der Duke hinkam um zu schwimmen, begeisterte er die Menschen mit der Kunst, im Meer über das Wasser zu wandern.
Entwicklung von Technik und Material
Die Entwicklung des Surfens steht, wie in Hawaii, dabei weitgehend im Zusammenhang mit Surf-Life-Saving Clubs, die auch die ersten nationalen und internationalen Wettbewerbe austragen. Weiter verbreitet wurde das Surfen durch Schriftsteller, welche dieser Ungewöhnlichkeit auf den Hawaii-Inseln begegneten, sowie durch die Idee eines Eventmanagers, der eine Surfvorführung für die Einführung einer neuen Eisenbahn auf dem Festland der vereinigten Staaten in Huntington Beach nutzte.
Die höhere Anzahl von Surfern führte im Weiteren auch zu neuen Ideen, die besonders die Art und Form des Surfbretts betrafen. Schlaue Köpf kamen auf die Idee, die Bretter zu verkürzen, eine Art Kiehl, also den Vorgänger der Finnen, hineinzuschnitzen und Tom Blake höhlte die Bretter aus, um ihr Gewicht zu reduzieren. Auf diese Weise wurden die Bretter leichter und manövrierfähiger, was wiederum dazu führte, dass mehr Menschen mit dem Sportgerät zurecht kamen und die Performancemöglichkeiten enorm anstiegen. Weitere Entwicklungen waren die Nutzung neuer Materialien (Fiberglas), sowie in den 1950er Jahren die ersten Neoprenanzüge. Parallel dazu veränderte sich die Sportart in Richtung Extremsport. Die gesurften Wellen wurden immer größer und extremer und die Manöver ständig radikaler. Hier lassen sich auch unterschiedliche Strömungen der Einstellung zum Surfen feststellen. Die Soulsurfer, für die besonders das Naturerlebnis und Eins-Werden mit der Welle im Vordergrund stand, neben den Hotdoggern, welche die artistischen Möglichkeiten an ihre Grenzen treiben wollten.
Surfen wird Massensport
Das paradiesische wie exotische Image zog nun immer mehr Menschen an die Strände, sodass erste Probleme entstanden, weil zu viele Surfer um die Wellen eiferten. Dies trieb die Surfer verstärkt dazu, nach neuen Wellen zu suchen. Rip Curl machte dies zum Werbeslogan der Firma: The Search. Surfer bereisen die entlegensten Orte, um Abenteuer und neue Wellen zu entdecken.
Insgesamt scheinen die Surfer in vielerlei Hinsicht Vorreiter zu sein. Dies gilt für das Entdecken entlegener Orte, aber auch was den Lebensstil angeht. In Amerika lebten sie den Traum von Freiheit und Naturverbundenheit im Gegensatz zum politischen Regime und Vietnamkrieg und stellten so eine Art Vorgänger der Hippie-Bewegung dar. Die Zeit der Abenteurer und Sucher kennt auch viele Geschichten von Menschen, die das spirituelle Erlebnis des Surfens durch bewusstseinserweiternde Drogen weiter zu intensivieren versuchten…
Surfindustrie und Kommerzialisierung
Weitere Aufmerksamkei der Medien, z. B. in Hollywood oder durch die Musik der ‘Beachboys’, trieben Menschen an die Küste und in die Fluten. Die größere Masse stellte auch eine wirtschaftliche Nachfrage und damit für einige Menschen die Möglichkeit dar, von ihrer Leidenschaft zu leben. Aus ersten Garagenbetrieben wurden Industrieunternehmen und plötzlich befand sich der Natursport am Anfang einer langen Phase der Kommerzialisierung.
So ging es Jahr für Jahr ungebremst weiter. Neues Material und neue Talente beeinflussen qualitativ die Performance und Extremität des Sports. Zuläufe und Industrie wirken auf der quantitativen Seite. Profisurfer, Wettkämpfe, Weltmeisterschaften und Multimillionen-Dollar-Unternehmen auf der einen Seite, während sich gleichzeitig mal wieder ein paar Jungs durch einen Dschungel kämpfen, um eine Sagen umwobene, legendäre Welle zu surfen oder gar eine gänzlich „neue“ Welle zu finden.
Resümee
Es ist so viel passiert, das mir die Finger schmerzen und man noch unzählige Seiten anfügen könnte. Das Schöne bei all den vielleicht beängstigenden Veränderungen – Surfen bleibt die schönste Sache der Welt. Eine Chance auf magische Momente, wenn plötzlich an einem warmen Sommerabend plötzlich der Wind nachlässt und sich die kabbeligen Onshorewellen in glacy Perfektion nur dir und deinem Kumpel zeigen. Oder wenn du der König der Welt bist, weil du gerade die Tube deines Lebens gesurft bist, nur um wenig später inside erwischt zu werden und halb ertrunken, mit Schnitten übersäht und zerbrochenem Board ganz klein an den Strand gespühlt wirst. Wenn du zur falschen Jahreszeit den Megaswell in G-Land erleben darfst und ein paar Wochen später mit Malaria im Bett aufwachst.
Surfen bleibt Surfen! Und jeder hat die Chance, was zu erleben. Das Schöne daran ist, dass es hier einerseits um die besten, vielleicht nur sehr kurzen, aber die schönsten Momente des gesamten Lebens geht. Andererseits gehört alles Mühsehlige und nicht so Schöne genauso dazu und wird, ist es einmal überstanden, eine gute Geschichte, die ebenso ein Leben lang bleibt…
Bodyboarden
Bodyboarden ist ein Sport, in dem man hauptsächlich im Liegen auf den Wellen fahren kann, jedoch auch im Stehen und Dropknee (ein Fuß steht und der andere kniet). In Deutschland ist es mehr ein Individualsport und viele missverstehen den Sport als Einstieg zum Surfen, dabei ist sehr viel Technik, Innovation und Radikalität mit dem Bodyboarden verbunden. Außerdem kann diese Disziplin auf eine lange Geschichte zurückblicken.
Sicherlich haben Einheimische der Polynesischen Inseln schon seit Jahrhunderten Wellen auf dem Bauch abgesurft auf Holzplanken oder ähnlichem. Das moderne Bodyboard wurde dann von Tom Morey Anfang der 1970er erfunden. Sein Gedanke war es, das Wellenreiten der Kommune auf eine spassige und freundliche Art und Weise rüberzubringen. Seine Erfindung wurde von der Firma Wham–O übernommen und in Massen als Morey “Boogie” Board verkauft.
Heutzutage werden sehr viele unterschiedliche Materialien verwendet, um Bodyboards herzustellen. Dadurch, dass der Sport immer extremer wird, ist auch eine Entwicklung der Materialien und der verwendeten Technik sehr wichtig. Verschiedene Materialien reagieren unterschiedlich, nach der Wassertemperatur zum Beispiel, und müssen bei extremen Bedingungen den richtigen Shape, die passende Flexibilität, Grösse und das Gewicht (z.B. für den Tow-in) für die entsprechende Welle haben.
Zum Bodyboard gehören auch Flossen. Diese werden angewendet, um in Wellen besser anpaddeln zu können, da die Gleitfläche vom Bodyboard halt kleiner ist (beim Surfen dagegen werden desto grössere Bretter benutzt je höher die Wellen sind, damit sie schneller angleiten). Die Flossen werden auch als Finne verwendet. Bei großen Wellen beispielsweise werden die Beine tief in das Wasser reingedrückt, um einen richtigen Take Off und Bottom Turn hinzubekommen, da die Strömung unter dem Brett bei extremen Bedingungen dazu nicht ausreicht.
Anfangs wurde beim Bodyboarden die Linie der Welle abgeritten und auch 360º Umdrehungen auf der Wellenwand ausgeführt. Heute ist das Bodyboarden ein Sport, in dem versucht wird, ebenso mit Style große Air- manöver auszuführen wie möglichst große Wellen zu surfen. 360º Drehungen werden jetzt in der Luft ausgeführt, sogar 720º werden von manchen Profis gezeigt. Auch Backflip Loopings und dazugehörende Kombinationen wie der ARS (Air Roll Spin) können jetzt auf Contests gesehen werden.
Es ist ganz klar zu sagen, dass das Bodyboarden genauso wie viele andere Extremsportarten ständigen Innovationen unterliegt und immer wieder neue Limits gesucht werden. So ist das Bodyboarden nicht nur Spaß für jedermann, sondern eine ernst zu nehmende Disziplin des Wellenreitens.
Kneeboarding
Kneeboarden ist eine Spielart des Wellenreitens, bei der der Surfer zwar ebenfalls auf seinem Bauch liegend ins Line Up paddelt, die Wellen aber auf seinen Knien abreitet.
Während der Punkrock-Ära der 1980er Jahre war Kneeboarden weltweit populär, fand in Europa aber nur eine geringe Zahl von Anhängern. Auch wenn das Kneeboarden eine schon lange ausgeübte, und gerade auf Hawaii, in Südafrika, Australien und Neuseeland recht populäre Disziplin des Surfens ist, ist es in Europa nicht sehr bekannt und wenig verbreitet.
Häufig als “Paralympics” verschrien, kann man Kneeboarder tatsächlich eher zu den Punkrockern unter den Surfern zählen: stets darauf angewiesen, sich am steilsten Teil der Welle aufzuhalten, sind sie zu zum Teil unglaublichen Manövern fähig, bei denen sie sich waghalsig in die Wellen stürzen.
Ein Kneeboard wird aus dem gleichen Material wie ein „normales“ Surfboard geshapt. Der Shape unterscheidet sich jedoch enorm: er ist deutlich kürzer und breiter als ein übliches Surfbrett. In der Regel ist ein Kneeboard zwischen 5 Fuß und 6′5” lang mit einer breiten runden Nose. Ebenso wie ein reguläres Board wird es aus einem Polyurethanschaumkern und Glasfasermatten hergestellt. Am Ehesten ist ein Kneeboard-Shape mit den Shapes für das Flusssurfen zu vergleichen. Auch so mancher Retro-Fish-Shape kommt sehr nahe an ein Kneeboard heran.
Kneeboard-Designer sind bekannt für ihre Experimentierfreude und haben so viele moderne Materialien, zum Teil aus der Raumfahrtforschung, in ihre Arbeiten integriert: Carbon und Kevlar in Epoxymatten sind nicht unüblich.
Moderne Kneeboards können eine „Gummimatte“ auf dem Deck aufgeklebt haben, um die Knie des Riders zu schützen, aber auch um abrutschen zu vermeiden. Dadurch kann der Kneeboarder auch sein Board besser manövrieren (da mehr Halt).
Manche Kneeboarder benutzen, ähnlich wie Bodyboarder, Flossen und eine Armleash, andere verwenden eine einfache Fußleash und verzichten beim Paddeln auf Flossen.
Beim Anpaddeln liegt der Kneeboarder bäuchlings auf dem Brett und paddelt mit seinen Armen und, je nach Vorliebe, mit Flossen an den Füßen. Wenn er die Welle bekommen hat und das Board ohne zusätzlichen Vortrieb (= Paddeln) gleitet, zieht sich der Kneeboarder auf das Brett auf die Knie und surft in dieser Position die Welle ab. Aufgrund der Kürze des Boards muss er dabei steile Takeoffs in direkter Nähe zum Peak in Kauf nehmen, kann dafür aber sehr enge und radikale Manöver fahren. Manövriert wird dann, ähnlich wie beim regulären Surfen auf den Füßen, durch Verlagerung des Körperschwerpunktes.
Die Popularität des Kneeboardens stieg maßgeblich (wie gesagt: bis auf Europa…) mit der Veröffentlichung des Surf-Movies „Chrystal Voyager“ Mitte der 1960/ 70er Jahre durch den prominentesten Kneeboarder, George Greenough aus Kalifornien. Greenough revolutionierte mit seinem Film alles bis dahin da Gewesene in der Geschichte des Surf-Filmens: Die Musik von Pink Floyds „Meddle“ (gefühlte drei Stunden lang…) kombiniert mit spektakulären Zeitlupen-Aufnahmen, die Greenough in einer unglaublichen Tube aufnahm, während er ein Kneeboard, den legendären „Spoon“, surfte, änderte nicht nur das Filmen, sondern beeinflusste auch die Ausrichtung des Surfens generell sowie die Entwicklung von Finnen und, und, und… außerdem wurde er für seine filmerische Leistung Ende der 1960er bei den Filmfestspielen in Cannes mit der Goldenen Palme für den besten Kurzfilm ausgezeichnet. (Zeitgleich erfand Tom Morey übrigens das Bodyboard.)
Das Besondere am Kneeboarden ist, dass der Rider die Möglichkeit hat, radikale Tubes zu fahren, in die ein regulärer Surfer oder ein Bodyboarder nicht so ohne Weiteres hineinkommen würde. Dadurch, dass er näher am Face der Welle ist, ist das Gefühl der Geschwindigkeit intensiver und dadurch aufregender. “Kneelos” selbst behaupten, dass sie die besten Skills der einzelnen Surf-Disziplinen zusammenbringen: best of both worlds.
Bis noch vor wenigen Jahren wurde während der Deutschen Meisterschaften die Klasse der Kneeboard Open ausgefahren. Leider wurde später, mangels Startern, darauf verzichtet.

